Lebendfutter
Viele Aquarianer, vor allem natürlich auch Züchter, schwören bei der Ernährung und Aufzucht von Zierfischen auf Lebendfutter. Dabei hat man grundsätzlich zwei Möglichkeiten, die ich auch beide nutze:
- spezielle Ansätze von Lebendfutterkulturen wie Pantoffeltierchen,
Enchyträen, Grindal, Mikrowürmer, Artemia usw.
- Tümpeln, das Fangen von Lebendfutter wie Wasserflöhe
oder
Cyclops in geeigneten Gewässern.
Beides will ich hier beschreiben.
Grindal (Enchytraeus buchholzi)
Grindal sind etwas kleinere Verwandte der Enchyträen (E. albidus), sie sind wärmeliebend und gehören wie die Regenwürmer zu den Ringelwürmern. Wie diese gehören sie auch in Feld, Wald und Wiese zu den normal vorkommenden Bodenorganismen. Der Name Grindal stammt von der Schwedin GRINDAL, die diese Würmchen in einer normalen Enchyträen-Kultur entdeckte und daraus isolierte. Ein ausführlicher Bericht darüber findet sich in DATZ 9(2) S. 44-46.
Die kleinen Würmer werden ca. 5-10 mm groß und eigenen sich sehr gut für die Aufzucht von Jungfischen. Natürlich kann man auch die ausgewachsenen Fische damit füttern. allerdings sollte man sich dabei auf 1-2 mal pro Woche beschränken, da sie sehr fetthaltig sind.
Zu kultivieren sind sie als Futtertiere sehr einfach. Beschrieben werden verschiedene Substrat-Varianten von Sand-Torf-Gemisch, über Schaumstoff bis zu Seramis-Granulat. Ich bevorzuge dabei die Kultur in Seramis-Granulat. Diese beschreibe ich hier und in dieser Form werden Kulturansätze auch von mir abgegeben.
Benötigt wird ein Kunsstoffbehälter , hervorragend bewährt haben sich für kleinere Ansätze Margarine-Dosen (500 g), für etwas größere Kulturen sind Eiscreme-Dosen (1 Liter) gut geeignet. Das Behältnis wird zu 2-3 cm mit Seramis-Granulat gefüllt. Darauf wird ca. 1 Teelöffel Haferflocken gegeben und gut angefeuchtet (geht bestens mit einem Pflanzensprüher). Auf dieses Substrat wird nun ein Abstrich einer bereits laufenden Kultur gegeben um es anzuimpfen. Schließlich wird eine Trägerscheibe auf das Substrat gedrückt, von der man später die Würmer zum Füttern einfach entnehmen kann. Die Trägerscheibe kann aus Glas bestehen, Kunststoff bzw. Plexiglas tut es aber auch sehr gut. Schließlich verschließt man die Dose mit dem entsprechenden Deckel. Im Deckel sollten zur Belüftung Löcher sein, die mit etwas Zellstoff oder Schaumstoff abgedeckt werden.
Die Kultur sollte bei Temperaturen von 22-28°C gehalten werden, optimal dafür ist z.B. der Heizungskeller oder der Unterschrank des Aquariums.
Ein solcher Ansatz ist ausreichend um Jungtiere aufzuziehen oder für ein normales Aquarium 1-2 mal pro Woche Futter zu entnehmen. Damit man bei einem plötzlichen Zusammenbrechen der Kultur, was immer mal wieder vorkommen kann, nicht mit leeren Händen dasteht, sollte man mindestens zwei solcher Kulturen haben.
Natürlich muss man die Futtertiere selbst auch wieder füttern, um die Kultur am Leben zu halten. Hierfür nimmt man einmal pro Woche (z.B. wenn man sowieso gerade eine Futterentnahme hat) die Deckscheibe ab, gibt wie beim frischen Ansatz einen Teelöffel Haferflocken auf das Substrat und sprüht es wieder mit Wasser ein, um es feucht zu halten.
Pantoffeltierchen (Paramecium caudatum)
Zur Fütterung von Fischbrut, die nur sehr kleines Futter zu Beginn aufnimmt, eignen sich hervorragend Pantoffeltierchen. Diese sind mit etwa 0,3 mm noch kleiner als frisch geschlüpfte Artemia. Pantoffeltierchen sind vollständig bewimperte Einzeller (holotriche Ciliaten), die sich mit den in schrägen Reihen angeordneten Wimpern, die koordiniert schlagen, durchs Wasser schrauben.
Die Einzeller sind mit bloßem Auge erkennbar, im Gegenlicht sieht man sie besonders gut. Sie eigenen sich auch gut für mikroskopische Übungen.
Paramecien treten auch auf, wenn man z.B. einen Heuaufguß herstellt und wartet bis sich darin die verschiedenen einzelligen Organismen bilden. Dabei kann man allerdings nicht steuern, was sich so entwickelt und es treten nacheinander auch verschiedene Folgeorganismen auf. Für eine gezielte Fütterung mit Pantoffeltierchen sollte man diese in einem speziellen Kulturansatz halten.
Der Kulturansatz, den man von Zeit erneuern muss, kann man gut mit getrockneten Bananenschalen, getrocknetem Kohlrabi oder auch Kondensmilch füttern. Die Pantoffeltierchen ernähren sich wiederum aus Mikroorganismen, die sich daraus entwickeln.
Wie gesagt, sollte man den Kulturansatz, von dem man auch mind. 2-3 parallel laufen haben sollte, ab und zu erneuern. Ich nehme dazu ein leeres sauberes Glas mit Schraubdeckel (z.B. von Kirschenkonserven), in den Schraubdeckel steche ich ein Luftloch. In das Glas fülle ich etwas von einem alten Kulturansatz, den Rest fülle ich mit abgestandenem weichem Wasser auf. In das Glas kommt dann noch ein Stückchen getrocknete Bananenschale.
Zur Verfütterung kann man aus der rel. sauberen Kulturflüssigkeit die Pantoffeltierchen mit einer Pipette oder Einwegspritze absaugen und direkt in die Nähe der Fischlarven geben.
Mikrowürmchen (Turbatrix silusiae)
Ein weiteres gutes Lebendfutter für Jungfische sind Mikrowürmchen. Diese gehören zu den Fadenwürmern und werden in der Kultur ca. 1-4 mm groß. Vorzugsweise leben sie in gärenden Substanzen wo sich von den sich dort bildenden Bakterien ernähren. Die Färbung ist hell bis glasklar.
Auch für die
Mikros lassen sich einfach Zuchtansätze herstellen. Verschiedene
Substrat-Möglichkeiten habe ich dabei ausprobiert. Eine Möglichkeit ist ein
Ansatz mit Kaffeesatz und Bier (weswegen sie bei uns im Verein auch Bierwürmer
heißen). Der Nachteil war hier ein ziemlich lästiger Geruch. Ein weiteres
Substrat besteht aus Haferflocken und Milch. Dieses Substrat riecht zwar nicht
so streng, ist mir aber öfter gekippt und wurde sauer, was ich auf die Milch
zurückführe. Aktuell habe ich sehr gute Arfahrungen mit Brot bzw. Semmelbrösel
und Wasser. Die Kultur läuft stabil, riecht angenehm nach Brot, und wenn beim
Verfüttern mal etwas Substrat mit ins Wasser gelangt ist es auch nicht so
schlimm.
Die Kultur läuft bei mir in Marmeladen- oder Babynahrungsgläsern (ca. 200 ml). Dafür fülle ich ein Glas mit ca. 2-3 cm mit getrocknetem Brot oder Semmelbrösel und gebe Wasser hinzu bis sich ein dicker Brotbrei ergibt. Darauf gebe ich etwas (ca. 1 Teelöffel) eines anderen Mikro-Ansatzes um die Kultur zu starten.
Zur Fütterung streift man die Würmchen mit einem Pinsel von der Glaswand oder der Kulturoberfläche ab und gibt sie ins Becken zu den Fischen.
(noch in Bearbeitung)