Meerwasser - aus der Praxis für die Praxis (Teil 12)
Von Hans Kastl
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Die Pflegebedingungen für Korallenriff-Aquarien sind in den letzten Jahren immer weiter verbessert worden, so dass es mittlerweile gängige Praxis ist, Korallen zu halten und durch Teilung zu vermehren, von denen dies bisher nicht für möglich gehalten wurde.
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Paul Müller aus Augsburg hält beim Arbeitskreis Meerwasser einen Vortrag über Phosphat
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Insbesondere Steinkorallen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit; sie haben in vielen Aquarien die bis dahin bevorzugt gepflegten Weich- und Lederkorallen weit gehend verdrängt. Als Beleuchtung haben sich die HQI-Strahler mit 10000 Kelvin durchgesetzt, wobei die durchschnittliche Brenndauer zwischen acht und zehn Stunden beträgt. Das benötigte Calcium wird in der Regel von einem Kalkreaktor geliefert; hier wird Korallenbruch durch eingeblasenes Kohlendioxid in wasserlösliches Calcium umgewandelt. Die wichtigen Spurenelemente, die im geschlossenen System eines Aquariums bald nicht mehr in ausreichender Menge vorhanden sein würden, werden durch fein abgestimmte Beigaben von Spurenelementen sicher gestellt. Doch trotz Abschäumer und regelmäßigem Wasserwechsel hat sich in letzter Zeit ein Problem herauskristallisiert, das noch weit von einer Lösung entfernt ist: Phosphat ist in vielen Becken in einer viel zu hohen Konzentration vorhanden. Alle bisher verwendeten Harze konnten den Phosphatgehalt nicht zufriedenstellend senken. Zu diesem Thema hat Paul Müller aus Augsburg zwei interessante Artikel in der Zeitschrift "das Aquarium" (Ausgaben April und Mai 2003) veröffentlicht Nitrat hingegen ist kein Problem mehr, die durchgeführten Pflegemaßnahmen scheinen hier ihre Wirkung getan zu haben. Bei der Pflege von Steinkorallen taucht in letzter Zeit ein Problem auf, von dem man früher nicht zu träumen wagte: die Raumkonkurrenz zwischen Steinkorallen. Eine flächig wachsende grüne Poriteskoralle überdeckt in meinem Becken nach erstaunlich kurzer Zeit die weiter unten im Aquarium wachsenden Korallen. Es bleibt nichts übrig, als helfend einzugreifen und die Koralle entsprechend einzukürzen. Bisweilen helfen sich die Korallen selbst gegen Raumkonkurrenten: sie bilden Kampftentakel aus, die eine erstaunliche Länge erreichen können. Mit ihnen saugen sie sich am Gegner fest und zerstören großflächig die dort lebenden Polypen; es bleibt eine weiße tote Fläche zurück, die bald von Aufwuchsalgen überdeckt wird. Bei der Einrichtung eines Aquariums muss also auf den Raumbedarf der Korallen geachtet werden, dies gilt natürlich auch, wenn neue Korallen in das Becken eingebracht werden. Dieses Nesseln, mit dem andere Korallen auf Distanz gehalten werden, ist unter Leder- und Weichkorallen nicht festzustellen. So sind in meinem Becken mehrere dieser Korallenstöcke zu ansehnlicher Größe herangewachsen, zum Teil gehen die Äste der Stöcke ineinander über, ohne dass irgendeine Beschädigung einer benachbarten Koralle festzustellen ist. Hier ist die Toleranz sehr hoch, wobei andererseits diese Weichkorallen es durchaus verstehen, sich gegen Steinkorallen, die sich ihrem Gebiet nähern, durch Nesseln auf Distanz zu halten. Auch wenn viele der Probleme in der Meerwasser-Aquaristik gelöst sind, so ist doch ein Erfahrungsaustausch von großem Wert. So hat sich ein Arbeitskreis Meerwasser etabliert, dessen Mitglieder sich regelmäßig zum Gedankenaustausch im Mittermayer Hof in Dachau treffen: Die Termine und Themen können im Internet (www.aquarienfreunde-dachau.de) in Erfahrung gebracht werden. |
alle Fotos: Hans Kastl
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